13 Jahre im Dienst des Urheiligtums: Abschied von einer Mission, die Spuren hinterlässt

Karen Bueno

Wer in den letzten 13 Jahren Schönstatt besucht hat, ist sicherlich irgendwann einmal Norbert und Bernadette Weweler begegnet. Im Jahr 2013 übernahmen sie die Aufgabe, in der Sakristei des Urheiligtums zu arbeiten – ein unauffälliger, aber unverzichtbarer Dienst für das Leben und die Aufnahme der vielen Pilger, die an diesen Ort der Gnade kommen.

In diesem August, nach 13 Jahren des Engagements, der Hingabe und der Liebe zu dieser Aufgabe, geben Norbert und Bernadette ihre Arbeit in der Sakristei ab. Die beiden, die dem Schönstatt-Familieninstitut angehören, werden am Ort Schönstatt bleiben und im Bundesheim wohnen. Während der Übergangszeit, bis neue Personen diese Aufgabe übernehmen und sich mit ihren Aufgaben vertraut gemacht haben, werden sie sich weiterhin unterstützend engagieren.

In dieser Zeit hat das Ehepaar einzigartige und prägende Momente der jüngeren Geschichte der Apostolischen Bewegung von Schönstatt miterlebt. Zwischen Feiern, Wallfahrten, Treffen und so vielen Ereignissen, die sie am Urheiligtum erlebt haben, gab es auch viele Geschichten, Menschen und Erfahrungen, die ihre Hände und ihr Herz berührt haben.

Zum Abschluss dieser Zeit teilen Norbert und Bernadette einige dieser Erinnerungen und sprechen darüber, was es für sie bedeutet hat, so viele Jahre lang im Herzen des Schönstatt-Werkes zu dienen.

The Wewelers
Norbert und Bernadette Weweler
Sie haben viele Jahre im Dienst als Sakristanen des Urheiligtums verbracht. Wie hat diese Sendung begonnen und was hat Sie dazu bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?

Am 1. Sept. 2013 haben wir hier als Sakristane am Urheiligtum begonnen und haben diese Aufgabe von Familie Fellhofer aus Wien übernommen. Als wir hier ankamen, war die NdH – Nacht des Heiligtums – mit 400 – 500 Jugendlichen in vollem Gang. Nachdem wir also in der ersten Nacht nur 2 Stunden Schlaf bekamen, sagten wir uns: „Das können wir nicht schaffen, wir müssen wieder nach Haus…“ Danach wurde es aber besser – und wir sind dann doch geblieben.

Was hat uns getrieben, was war der Anlass, dass wir uns gemeldet haben für diese Aufgabe? Während eines Kurstreffens – wir sind im Institut der Schönstattfamilien – im Februar 2013 hörten wir zum ersten Mal davon, dass ein neues Küsterehepaar für das Urheiligtum gesucht wird. Das ging zunächst an uns vorbei. Dann war beim selben Treffen noch zweimal die Rede davon. Da fühlten wir uns auf einmal persönlich angesprochen, wir beide. Wir trafen uns stillschweigend auf unserem Zimmer wieder und sahen uns an: könnte es sein, dass die Gottesmutter UNS meint? Das war ein sehr bewegender Moment für uns, einmal die Tatsache, dass wir wirklich da eine Berufung spüren konnten, und zweitens die Tatsache, dass wir beide das so empfanden (es kommt äußerst selten vor, dass wir gleichzeitig von einer Idee begeistert sind…).

Dann kamen wir wieder runter von unserem „Tabor-Erlebnis“ und begannen zu überlegen: wir hatten einen Zimmereibetrieb und Parkettstudio, das unsere Kinder nicht übernehmen würden, da sie alle einen anderen Weg eingeschlagen hatten. So stand diesem neuen Weg von da nichts im Weg. Da waren aber noch andere Situationen, die es fast unmöglich machten, überhaupt daran zu denken aus der Heimat – Westfalen – wegzuziehen. Da waren unsere Väter, Norberts Vater hochdement und wir waren mit der Mutter in der Pflege eingespannt. Da war Bernadettes Vater (91), der auch hauptsächlich die Tochter als Ansprechperson in der Nähe hatte.

So gab es schwerwiegende Gründe, die dagegen sprachen, dass wir uns mit so einem Gedanken anfreundeten – und wir waren zurück in der Realität. Und sind wieder nach Haus gefahren und haben weitergemacht. Keine vier Wochen später ist ziemlich plötzlich der demente Vater gestorben – und wir hatten den Eindruck, die Gottesmutter ist was am Vorbereiten.

Dann kam der 22. Mai mit der Schenkung des Urheiligtums an die Schönstattfamilie. Und Anfang Juni die Anfrage an uns. Jetzt hielten wir erstmal die Luft an, weil es einfach noch viele Dinge gab, die diesem Plan entgegenstanden. Wir ließen die Vorsehung arbeiten. Nachdem wir dann von unserem Wunsch in der Familie erzählt hatten, und es dort erstaunlicherweise viel Zustimmung gab, ergab sich eins ins Andere – für die Mutter, die jetzt allein war, wurde eine sehr gute Möglichkeit gefunden. Unser Hund würde nicht allein sein. Unsere Mitarbeiter bekamen Stellenangebote von anderen Firmen. Als dann Anfang August Bernadettes Vater nach einem Krankenhausaufenthalt auch starb, da wussten wir eindeutig, wo die Gottesmutter uns haben möchte. Dann sind wir mit 2 Koffern hier angekommen und konnten zunächst 4 Wochen im Haus Nazareth wohnen, bis wir eine Mietwohnung gefunden hatten.

Es war also eine besondere Berufungsgeschichte, die auch für – eigentlich sesshafte – Westfalen nicht zu überhören war.

Im Laufe dieser Jahre haben Sie sicherlich viele besondere Momente erlebt, von denen einige der gesamten Schönstattfamilie bekannt sind, andere vielleicht eher im Verborgenen blieben. Gibt es eine Erfahrung oder ein Ereignis, das Sie besonders geprägt hat?

Wir haben wirklich entscheidende Ereignisse hier vor Ort miterlebt: das große 100jährige Jubiläum, 100 Jahre Hörde, Pfingstkongresse, das Hl. Jahr der Barmherzigkeit, Jugendfestivals und Familienfestivals, Corona und wichtige Ereignisse der einzelnen Gemeinschaften. Dann jetzt der Umzug der Sakristei aus dem Alten Haus in die vorläufigen Sakristei-Container und in diesem Jahr das 100-jährige Jubiläum der Marienschwestern. Wir können nicht sagen, dass es ein Ereignis, oder eine Erfahrung gibt, die uns nachhaltig geprägt hat. Wir versuchen, offen zu sein für die Ereignisse und Begegnungen, die der liebe Gott uns an diesem Tag schenken möchte. Und dann erreicht er unser Herz, wenn wir gar nicht damit rechnen: in einem kurzen Gespräch mit einem Ehepaar, das ihre Diamanthochzeit im Urheiligtum gefeiert hat und eine tiefe Dankbarkeit in ihrem ganzen Wesen ausstrahlt; in einem ganz ehrlichen und strahlenden Danke für die schönen Blumen; in der Vertrautheit mit den Menschen, die hier täglich in Treue die Anbetungszeiten garantieren; in der Hilfe so vieler ehrenamtlicher Helfer und Helferinnen, ohne die es gar nicht ginge. Oder in einem Wort, das das Evangelium auslegt, und wenn eine junge Frau in der Mittagszeit still für sich im Beisein eines Priesters ihr Liebesbündnis schließt und strahlend in den Tag weitergeht. Es berührt unser Herz, wenn die Priester vor oder nach der heiligen Messe Zeit haben und zur Beichte zur Verfügung stehen, sich auf eine Bank auf der Wiese setzen und für die Menschen da sind – für jeden. Es berühren die großen schweren Krüge gefüllt mit Gnadenkapital, die an jedem 18. gen Himmel geschickt werden.

Wie ist es, das Leben des Heiligtums so hautnah mitzuerleben, es auf die Feiern vorzubereiten, sich um die liturgischen Gegenstände zu kümmern und täglich die Ankunft von Pilgern aus so vielen Ländern zu begleiten? Was hat dieses Zusammenleben in Ihnen geweckt?

Als wir etwa ein Jahr, oder anderthalb Jahre im Dienst waren, hatten wir das große Jubiläum gefeiert und alle liturgischen Feste und Hochfeste und Gedenktage miterlebt und versucht, mitzugestalten, wo es möglich war. Da haben wir gespürt, wie reich unsere Liturgie ist und wie lebensbejahend. Es ist schön, zu überlegen, welche Altarborte passt denn zu diesen Tagen besonders gut und wie könnten wir die Blumen entsprechend farblich aussuchen. Und wie groß sollten die Gestecke sein, dem Festkreis entsprechend. So gibt es z.B. auch einen besonderen Kelch, den wir gern für Festtage und Sonntage herausholen, um das Besondere dieses Tages auch in diesem Zeichen sichtbar zu machen. An Sonntagen wird zur Anbetung auch gern die große Monstranz herausgeholt, die das Allerheiligste trägt: Der Tag des Herrn. Es geht darum, IHM einen besonderen Platz im eigenen Herzen anzubieten.

Wenn wir an die täglichen Pilger und Pilgerinnen, Beter und Beterinnen, die „zufällig“ Vorbeigekommenen und an diejenigen denken, die schnell eine Kerze aufstellen und einen Gruß der Gottesmutter sagen, dann sind wir oft sehr berührt: da kommt ein Gedanke wie dieser: „Gottesmutter, du hast für jede und jeden Platz, für jeden hast du auch Zeit, dein Herz ist so weit – jede(r) ist willkommen, und sogar geliebt. Mit allem Dank, und allen Bitten und aller Sehnsucht und aller Freude und Trauer. In Krankheit und Schmerz und im Jubel und festlicher Stimmung. Du bist da.“ Das beeindruckt uns immer wieder und manchmal dürfen wir der Gottesmutter ein bisschen zur Seite stehen und vielleicht Sprachorgan für sie sein. Wenn uns jemand um unser Gebet bittet, oder fragt, ob wir eine Kerze für ein besonderes Anliegen aufstellen können, oder wenn wir einfach nur zuhören, manchmal auch etwas Trost oder Mitfreude mitgeben können.

Sehr schön ist es, wenn Menschen von weit her zum ersten Mal am Urheiligtum sind und manchmal jahrelang dafür gespart haben. Sie sind oft sehr bewegt, endlich am Ort ihrer Sehnsucht zu sein, dort, wo das Liebesbündnis seinen Anfang nahm. Voller Zärtlichkeit oder überschwänglicher Begeisterung nähern sie sich zunächst dem Heiligtum, nehmen es an einer Heiligtums-Ecke förmlich in die Arme. Sie machen dann Fotos von rechts und links und oben und unten, um dann im Urheiligtum der Mutter und Königin zu begegnen. Da wird es dann meistens ganz still und man spürt die Zweisamkeit zwischen Mutter und Kind.

Es gibt auch Gruppen, die eine Pilgerreise durch Europa machen und Schönstatt ein Pilgerort unter anderen ist. Da kommt dann oft die Frage, was gab es denn hier für eine Marienerscheinung oder was für ein Wunder ist geschehen. Und unsere Wallfahrtsschwestern sind einfach gut darin, das Besondere unseres Urheiligtums herauszustellen.

Das Urheiligtum empfängt täglich Menschen, die mit ihren Geschichten, Freuden, Leiden und Bitten ankommen. Gab es eine Begegnung mit einem Pilger oder eine Situation in der Sakristei, die das Herz von Ihnen beiden tief berührt hat?

Ja, solche Begegnungen gibt es zwischendurch. Z. B. fällt mir ein, die große polnische Wallfahrt. Ich spreche einfach eine Frau an, wie schön doch die Atmosphäre ist bei dieser Wallfahrt, und sie sagt mir: „Wir sind gar nicht mit dieser Wallfahrt hier. Das ist ein großer ‚Zufall‘, wir wussten gar nicht, dass heute eine polnische Wallfahrt stattfindet.“

Und sie erklärte: „Meine Schwester ist gerade aus Polen gekommen, um nach dem Tod unserer Mutter nicht so allein zu sein und wir haben überlegt, dass wir nach Schönstatt fahren. Ich kenne Schönstatt ein bisschen, meine Schwester gar nicht, und so sind wir hier. Und sind so bewegt.“ Beide Frauen waren sehr in Trauer über den Tod der Mutter und ich hatte Zeit, einfach ein wenig hinzuhören und da zu sein. Das hat beiden so gutgetan und mir auch. Da ist wirklich innerlich etwas gewachsen. Diese eine Schwester bringt jetzt öfter Blumen in die Kerzenkapelle und schickt dann ein Foto vom Heiligtum an ihre Schwester in Polen. Und wenn ihre Schwester hier ist, kommen sie gemeinsam zum Beten ins Heiligtum. Wir freuen uns immer, wenn wir uns begegnen.

Einmal kam eine junge Frau, die ihre Kinder zu einer Veranstaltung in die Wasserburg gebracht hatte und fragte nach dem Urheiligtum, was das für ein Ort sei. Wir erzählten ein bisschen und dann sagte sie, dass sie so gern mal wieder in ihrer Muttersprache beichten würde: Tschechisch. Hin und wieder gibt es hier auch eine tschechische Wallfahrt, eher selten. Aber gerade in diesen Tagen ist hier ein Gruppe aus Tschechien und es sind zwei Priester mit dabei. Sie war ganz fasziniert und hat den Kontakt gesucht und am anderen Tag sahen wir sie mit einem Priester auf einer Bank auf der Pilgerwiese. Nachher kam sie nochmal zu uns, um sich zu bedanken. Diesen Dank konnten wir nur staunend weitergeben an die Gottesmutter, die alles wunderbar gefügt hatte.

Nun, da Sie diese Aufgabe niederlegen, was nehmen Sie aus diesen Jahren des Dienstes mit? Und welche Botschaft möchten Sie der Schönstattfamilie hinterlassen, die weiterhin zum Urheiligtum kommen wird?

Wenn wir in uns hineinhören und dort Gottes Stimme wahrnehmen, dann sind es verschiedene Empfindungen: vielleicht lässt es sich fassen in „Heimatbewusstsein und Pilgerbewusstsein“.

Wir durften Wurzeln schlagen im Urheiligtum durch die vielen Begegnungen, durch die Arbeit und die Stille und Liturgie. Die Gottesmutter hat uns im Urheiligtum an sich gezogen, so konnten wir wachsen, persönlich und im Miteinander. Das gibt ein Stück Sicherheit – Heimat eben.

Unsere Wege vom Hausheiligtum zum Urheiligtum und von dort überall hin, zu unseren Kindern und Enkelkindern, Freunden und Bekannten, wurden für uns im Laufe der Zeit zu Pilgerwegen. Wir sind berufen, das, was wir als Geschenk erfahren und erlebt haben, mit in unsere nächste Lebensphase mitzunehmen und weiterzugeben: Die Liebe Gottes und seiner Mutter, die lebendig spürbar im Heiligtum ist. Wir hoffen, sie weitet unser Herz für diejenigen, die unsere Wege kreuzen und die, die mit uns gehen, und sie macht unser Herz bereit für die Schritte, die jetzt dran sind auf dem kommenden Pilgerweg.

Die Botschaft bleibt: Hier ist Wohlsein, hier wollen wir Hütten bauen.

Ein prophetisches Gemälde!

Etwas, das wir gerne erzählen möchten:

Beim Umzug in 2013 hatten wir dann, wie jeder andere auch beim Umzug, Umzugskartons verpackt. Die haben wir dann nach und nach wieder ausgepackt. Unter anderem ein Gemälde. Es stammt von einer Freundin aus unserer gemeinsamen Kirchenband in unserer Heimat Gütersloh-Spexard. Auf diesem Gemälde sind wir beide, Norbert und Bernadette Weweler zu sehen, wie wir vor dem Urheiligtum auf der Bank sitzen. Allerdings war es zu der Zeit, als wir in Schönstatt ankamen, noch nicht so. Wir erinnern uns: Es standen 2 große Thuja-Bäume rechts auf der Pilgerwiese. Vor dem Urheiligtum war eine mannshohe Hecke. Das Urheiligtum zierte wilder Wein, und die Kerzenständer waren rechts an der Mauer des Urheiligtums.

Nach einem Jahr war alles anders: Die Bäume waren fort, auch die vordere Hecke, und der wilde Wein am Urheiligtum waren entfernt worden. Das Urheiligtum war nun vollständig sichtbar, war gerade neu verputzt und neu gestrichen zum 100jährigen Jubiläum. Der Kerzenständer stand dann (nach mehreren Zwischen-Standorten) vorne links. (Und zur Nacht des Heiligtums wurde das Urheiligtum auch noch rot angestrahlt, genau wie auf dem Gemälde erkennbar.) Nun etwas ganz Besonderes: Das Gemälde wurde etwa SECHS JAHRE VOR UNSEREM UMZUG NACH SCHÖNSTATT gemalt! Es war also ein prophetisches Gemälde!

Das entsprechende Foto haben wir letztes Jahr aufgenommen, genau 18 Jahre nach Anfertigung des Gemäldes.

Lektorat: Hildegard Kaiser

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