Voller Freude über das Fest des 50jährigen Jubiläums des Heiligtums auf Berg Moriah am 12. Oktober mit der Beteiligung so vieler Mitfeiernden aus der Schönstatt-Bewegung und aus der Nachbarschaft von Simmern mit Feuerwehr und Musikkapelle, berichte ich gern über die Entstehung des „Moriah-Heiligtums“. Ich habe die Freude erlebt wie vor 50 Jahren. Das Heiligtum ist einfach ein Geschenk und das nicht nur für die Priester, die vor 50 Jahren den Schritt auf den Berg gewagt haben.
Im Oktober 1945 gerade einmal vier Monate aus dem KZ in Dachau zurück hatte Pater Kentenich den Verband der Diözesanpriester gegründet und die Mitbrüder ermutigt, in Schönstatt ein Haus zu erwerben. Ihre erste Heimat wurde die Marienau in der Nähe des Urheiligtums, und diese wurde zum gemeinsamen Haus der drei Priestergemeinschaften Verband, Bund und Liga. In den siebziger Jahren entwickelte sich der Wunsch, wie die Marienschwestern aus dem Tal hinaufzuziehen auf den Berg. Die Bemühungen um ein brauchbares Gelände für ein künftiges Priesterzentrum und dessen Heiligtum sind zutiefst verknüpft mit dem Namen von Heinz Dresbach, einem Kölner Mitbruder des Priesterverbandes, der mit Pater Kentenich im KZ war. Den Weg hinauf nach „Berg Moriah“ und die Entstehung des Namens werden für immer mit Heinz Dresbach und seinem bewundernswerten Vorsehungsglauben verbunden bleiben. Über Jahre entstand eine lebendige Strömung, die um die biblische Gestalt des Vaters Abraham und das ihm zugemutete Opfer seines Sohnes Isaak kreist, das den Gründer in Dachau zu dem Gebet: „Allmächtiger, willst du dieses Kind mir nehmen“ geführt hat.
Es entstand damals die Idee, das Tal Schönstatt für die Wallfahrt und die Volksbewegung vorzusehen. Die Mitbrüder des Priesterbundes entschieden sich, in der Marienau zu bleiben, die Mitbrüder der Priesterliga aber entschlossen sich mit dem Verband für Berg Moriah. Das Jahr 1976 hatte begonnen mit der Ausschreibung eines Bauwettbewerbs für ein Priesterzentrum auf der Höhe in der Gemarkung von Simmern im Westerwald. Das Heiligtum sollte integrierender Teil des Zentrums werden und gleichzeitig von außen für die Gemeinde und für Pilger und Spaziergänger zugänglich sein.
Wie es bei anderen Schönstattheiligtümern guter Brauch ist, entstand das Kapellchen aus der lebendigen Beteiligung und Trägerschaft von verschieden Kursen und Interessierten. Es wuchs geradezu aus dem Leben der Gemeinschaft. Der Kurs des damaligen Generalrektors Hermann Gebert übernahm den Altar und das Altarkreuz, ein weiterer Kurs wollte einstehen für das Fundament des Heiligtums, mein Kurs hatte sich dafür entschieden, das MTA-Bild der Gottesmutter für das Heiligtum zu übernehmen und es wie die biblische „Bundeslade“ über die ganze Bauzeit zu begleiten und als Pilger zum Heiligtum zu bringen. Ein weiterer Kurs hatte sich entschieden, die Fenster für das Heiligtum beizutragen und dabei auch die bedeutungsvolle Geschichte des Abrahams Opfers in der Bibel und im Leben von Pater Kentenich sichtbar zu machen. Die Mitbrüder der Priesterliga wollten sich gern an den Baukosten beteiligen und mit der Tür des Heiligtums einbringen. Die Glocke des Kapellchens geht auf die Regio Freiburg zurück, die in ihrer Bischofsstadt das Heiligtum der Berufung gebaut hat und die gleiche Glocke wie für ihr Heiligtum auch für Berg Moriah widmen wollte. Die Glocke trägt die Worte „VOCATOS VOCO“ (Ich rufe die Berufenen“). Bei der feierlichen Einweihung des Moriah-Heiligtums inmitten von 1500 Mitfeiernden hat Bischof Tenhumberg diese Aufschrift der kleinen Glocke des Kapellchens aufgegriffen und den präsentischen Worten VOCATOS (Ich rufe die Berufenen) die Formulierung im Futur hinzugefügt: VOCATOS VOCABO (Ich werde die Berufenen rufen). Für unseren damaligen Generalrektor und unsere Gemeinschaft auch beim Fest des 50 jährigen Jubiläums waren und sind diese Worte eine kostbare Verheißung.



