Papst Leo XIV. eröffnet Konsistorium: Mission und Gemeinschaft

Stefanie Stahlhofen / Vatican News

„Alle Themen, die wir behandeln werden – der Blick auf die Welt, der Friede, das Gemeinwohl, die Synodalität –, laufen in einer einzigen Frage zusammen: Wie können wir unseren Kirchen heute helfen, das Evangelium mit größerer Treue, Freiheit und Glaubwürdigkeit zu verkünden?“ So hat Papst Leo XIV. selbst diesen Freitag in seiner Eröffnungsrede zum Außerordentlichen Konsistorium zusammengefasst, was bei den 2-tägigen Beratungen mit den Kardinälen nicht vergessen werden sollte (26. und 27. Juni).

In seiner Eröffnungsrede an die Kardinäle in der Audienzhalle betonte Papst Leo zudem, die Mission sei der Existenzgrund der Kirche und müsse daher „Kriterium, das unsere Unterscheidung leitet“, sein. Das katholische Kirchenoberhaupt schwor die Kardinäle aus aller Welt, die sich nach einem ersten solchen Treffen im Januar nun erneut mit Leo XIV. beraten, auf Zuhören, Gemeinschaft und Zusammenarbeit ein: „Wenn wir lernen, einander zuzuhören, die Verantwortung gemeinsam zu tragen und das Wirken des Geistes in den verschiedenen Kirchen anzuerkennen, verbessern wir nicht nur unsere Arbeitsweise: Wir werden zu einer Kirche, die fähiger ist, den Männern und Frauen unserer Zeit zu begegnen und ihnen die Freude des Evangeliums zu bezeugen.“

Eine der wichtigsten Aufgaben des Kardinalskollegiums sei die Beratung mit dem Papst, bekräftigte Leo XIV. Er forderte bei dieser Gelegenheit Unterstützung auch jenseits von Konsistorien ein: „So bitte ich Euch, mich nicht nur in diesen Tagen der Arbeit zu begleiten, sondern auch im täglichen Dienst an der Gemeinschaft der Universalkirche. Helft Ihr mir zu hören, was in den Kirchen aufbricht, die Zeichen der Hoffnung zu erkennen, die oft im Stillen wachsen, aber auch die Mühen, Missverständnisse und Widerstände nicht zu ignorieren, die den Weg verlangsamen können. Ich brauche Eure Freiheit, Eure Offenheit (Franchezza / Parrhesia) und Eure Loyalität. Ein aufrichtiger Rat ist immer ein Akt der Gemeinschaft.“

Als Papst sei er auf die Unterstützung, das Wissen und die Erfahrungen der Kardinäle aus der ganzen Welt auch angewiesen, erklärte Leo:

„Der Dienst, den der Herr mir anvertraut hat, kann nicht allein gelebt werden. Er braucht Eure Erfahrung, Eure pastorale Weisheit, Eure Kenntnis der Kirchen und Völker, die Euch anvertraut sind. Ich zähle auf Euch, dass Ihr mir helft zu unterscheiden, was der Geist heute der Kirche sagt. Ich brauche Eure Unterstützung: stark, ausdrücklich und öffentlich. Ich muss mich von Euch wie von Brüdern getragen wissen.“

Dies sei auch für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche wichtig:

„Ich bitte Euch zudem, ein jeder in der eigenen Kirche und im eigenen Dienst, diesen Stil der kirchlichen Unterscheidung zu unterstützen. Ich weiß, dass er Geduld erfordert und manchmal Fragen aufwirft. Dennoch bin ich überzeugt, dass der Herr uns eine evangeliumsgemäßere Art und Weise lehrt, die Verantwortung, die er uns anvertraut hat, gemeinsam zu leben. Auch davon hängt die Glaubwürdigkeit unseres Zeugnisses und die Fruchtbarkeit unserer Sendung ab.“

Vier große Themen

Vier große Themen, die in vier Sitzungen besprochen werden sollen, hat Leo XIV. angekündigt: 1. Die Verkündigung in der heutigen Zeit, 2. Krieg, Gewalt, soziale und religiöse Polarisierung und Antworten der Kirche darauf – auch im Licht der ersten Enzyklika von Leo XIV.,„ Magnifica Humanitas„, die ebenfalls in der dritten Sitzung weiter besprochen werden soll – dann mit Fokus darauf, was die Kirche zum Aufbau des Gemeinwohls leisten kann. 4. Thema und vierte Sitzung: Die Umsetzung der jüngsten Weltsynode zur Synodalität. Auf all diese Themen ging der Papst in seiner Eröffnungsrede jeweils noch einmal kurz ein. Zur Synodalität betonte er, es gehe darum, die Teilhabe aller zu fördern und den gemeinsamen Weg der Kirche auszurichten:

„Angesichts der Wunden der Welt, des Aufbaus des Gemeinwohls und der Sendung der Kirche zeigt die Synodalität einen Weg des Voranschreitens auf: gemeinsam zu hören, geistlich zu unterscheiden und die Verantwortung für die Entscheidungen zu übernehmen, die der Herr uns anvertraut. Die Synodalität ist nicht in erster Linie ein Gefüge von Verfahren; wie ich schon mehrfach betont habe, ist Synodalität eine Haltung, eine Offenheit, eine Bereitschaft zum Verstehen.“

Konsistorium im Januar (@Vatican Media)

„Auch wir lernen die Synodalität, indem wir sie praktizieren“

Der Papst brach so erneut eine Lanze für die Synodalität und einen synodalen Stil in der Kirche. Dieser zeigt sich auch bei den aktuellen Beratungen, bei denen die Kardinäle in Kleingruppen arbeiten und Momente des Zuhörens und der Stille sowie ein „Gespräch im Geist“ fest eingeplant sind:

„Ich weiß wohl, dass dies für viele von uns nicht die gewohnte Art und Weise ist, ein Konsistorium abzuhalten. Und doch ist auch dies Teil des Weges, auf dem der Herr uns führt. Natürlich wird auch Raum für persönliche Wortmeldungen bleiben, und wie immer kann mir jeder frei vertrauliche Anmerkungen oder Überlegungen zukommen lassen. Aber ich bitte Euch, Euch mit Vertrauen auf diese kirchliche Übung einzulassen. Auch wir lernen die Synodalität, indem wir sie praktizieren; wir lernen gemeinsam, in der Gemeinschaft zu wachsen. Ich danke Euch schon jetzt für Eure Bereitschaft, für Eure innere Freiheit und für Eure Liebe zur Kirche.“

Zum Außerordentlichen Konsistorium hat Papst Leo XIV. bis Samstag nicht nur die bei einem Konklave wahlberechtigten Kardinäle unter 80 Jahren, sondern alle Kardinäle aus der ganzen Welt in den Vatikan eingeladen.

Ablauf der Sitzungen – Beratungen vertraulich

Nach der Eröffnungsrede des Papstes folgte die erste von vier Sitzungen in der Synodenaula. Alle Sitzungen werden mit einer Meditation eines Kardinals eingeleitet. Den Auftakt machte diesen Freitag bei Sitzung 1 der Erzbischof von Krakau, Grzegorz Ryś, mit einer Bibelmeditation, gefolgt vom Leiter der Glaubensbehörde, Víctor Fernández. Die dritte Arbeitssitzung leitet der Erzbischof von Johannesburg ein, Stephen Brislin; vor der Abschlusssitzung spricht der Leiter des vatikanischen Synodensekretariates, Mario Grech.

Es folgen nach der Meditation Diskussionen in Kleingruppen, sie erstellen auch Berichte, die gesammelt werden und an alle Teilnehmer gehen, einige Kleingruppenberichte sollen auch ausgewählt und allen kurz präsentiert werden. Die Beratungen sind vertraulich, öffentlich übertragen werden nur die Papstansprachen. Es soll aber auch Informationen des Vatikan-Presseamts für Medien geben. Die teilnehmenden Kardinäle sollen sich während des Konsistoriums nicht in Interviews dazu äußern oder Erklärungen dazu abgeben.

Am Samstag, dem 27. Juni, beginnt die dritte Sitzungsperiode nach einer morgendlichen Messe unter dem Titel „Im Guten bauen: Die Baustellen unserer Zeit“. Kardinal Stephen Brislin, Erzbischof von Johannesburg, führt in das Thema ein.

Am Ende der vierten Sitzung des Konsistoriums am Samstag steht ein „Dialog mit dem Heiligen Vater“ auf dem Plan, bei dem sich jeder Kardinal in einem Beitrag von maximal drei Minuten frei äußern kann. Nach einer Schlussansprache von Leo XIV. und einem gemeinsam gesungenen Te Deum steht ein Abendessen des Papstes mit dem Kollegium auf dem Programm. Am Montagvormittag (29. Juni), Feiertag im Vatikan und in Rom, nehmen viele Kardinäle zudem an der Messe im Petersdom zum Hochfest der Apostel Petrus und Paulus teil.

Quelle: vaticannews.va/de

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