„Die Wahrheit ist, dass wir durch das Liebesbündnis ins All geschleudert werden.“ [1]
Das Handy, das Sie heute in den Händen halten, verfügt über mehr Rechenleistung als die gesamte NASA im Jahr 1969, als die ersten beiden Astronauten zum Mond geschickt wurden.
Die Technologie hat sich weiterentwickelt und damit sind auch die Erwartungen an neue Entdeckungen und Fortschritte in der Weltraumforschung gewachsen.
An diesem Montag, dem 6. April, trat die Besatzung der Artemis-II-Mission ihre historische 10-tägige Reise in die Mondumlaufbahn an und markiert damit die Rückkehr des Menschen in diese Umgebung nach mehr als 50 Jahren. Sie erreichten den am weitesten von der Erde entfernten Punkt, den Menschen je erreicht haben.
Die vier Astronauten werden in den nächsten Tagen nicht auf dem Mond landen, sondern ihn umkreisen, um dessen physikalischen Eigenschaften zu fotografieren und zu dokumentieren.

„Wir alle müssen Astronauten sein“ (P. Kentenich)
Pater Josef Kentenich erlebte die Mondlandung nicht mehr. Er starb 1968, und erst im darauffolgenden Jahr, 1969, machte Neil Armstrong im Rahmen der Apollo-11-Mission den „kleinen Schritt für einen Menschen“.
Pater Kentenich erlebte jedoch den Beginn des Weltraumzeitalters, die Ankunft des Menschen im Weltraum sowie die Vorbereitung der Apollo-11-Mission.
Wie wir wissen, suchte er hinter jedem kleinen Ereignis das Wirken Gottes und ließ keine Gelegenheit aus, Geist und Herz auf das Übernatürliche zu richten.
Anfang der 60er Jahre beherrschten Nachrichten über die ersten Raumflüge der Russen und Amerikaner die öffentliche Meinung. Pater Kentenich erkannte die Größe der menschlichen Intelligenz als Gabe Gottes an und blickte darüber hinaus. Er führte eine tiefgründige Reflexion an, in der er das Ziel der Raumflüge mit dem Sinn des menschlichen Lebens verglich: „In welches Raumschiff sollen wir einsteigen? Wir müssen in den Geist des Glaubens eintauchen! Dann werden wir mit der Zeit nicht nur in der Lage sein, die Schwerkraft der Erde zu überwinden und die Welt zu besiegen (…), sondern wir werden es endlich schaffen, jenseits der Welt das Herz Gottes zu erreichen. Deshalb müssen wir alle Astronauten sein.“ [2]

Wie interpretierte er die Reise des Menschen ins All?
Pater Kentenich lieferte verschiedene Interpretationen zu diesem historischen Moment. In einer davon erzählt er uns selbst:
„Ich sage Ihnen einmal, wie ich persönlich das ausgedeutet habe. Wir stellen uns jetzt einmal vor, der Mann sitzt in der Kapsel. Es geht höher und höher hinauf. Letzten Endes – ja sehr schnell – hat er die Anziehungskraft der Erde überwunden; dann geht es weiter und weiter, hinein in andere Welten. Nun habe ich mir persönlich so gedacht: Das ist ja eigentlich der Sinn unseres Lebens. Was müssen wir tun? Auch die Welt überwinden, in die Kapsel hinein! Was für eine Kapsel ist das, in die wir hinein müssen? Hinein in den Glaubensgeist! Dann sind wir mit der Zeit nicht nur fähig, die Schwerkraft der Erde, die Welt zu überwinden, wir werden nicht nur in andere Himmelsphären hineinwachsen und hineinfliegen können, sondern wir werden letztlich über die ganze Welt hinüber in das Herz Gottes hinein dürfen.“ [3]
Schönstatt als Raumschiff
In anderen Auslegungen bezeichnet unser Vater und Gründer das Liebesbündnis und die Schönstattfamilie als „Raumschiffe“, die uns empor in den Himmel tragen sollen. Doch…
„Wir wollen die Welt nicht verlassen; das ist nicht unsere Berufung. Wir bleiben in der Welt, wir bleiben einander treu […]. Aber wir wollen nicht in diesen Realitäten versinken. Wir sind von dieser Welt, wir freuen uns mit der Welt, aber wir nutzen sie, um uns zu Gott zu erheben und in das Herz des Vaters einzudringen: sursum corda! (Empor die Herzen!) Wir sind für das Höchste geboren.“ [4]
Das bedeutet, dass wir, während wir den Geist zum Himmel erheben, mit den Füßen fest auf der Erde stehen.

Eine Herausforderung in den 60er-Jahren und heute
Eines der größten Risiken bei Weltraummissionen besteht darin, die Erdumlaufbahn zu verlassen. Das war 1969 eine Herausforderung und es ist es auch für die Artemis-II-Mission. Es ist immer riskant. In diesem Zusammenhang sagt unser Vater:
„Wir lesen in den Zeitungen von den Plänen, zum Mond zu reisen und ins All zu fliegen. Worin liegt die Schwierigkeit? Solange sich die Raumkapsel im Einflussbereich der Erdanziehungskraft befindet, ist alles in Ordnung. Aber was wird geschehen, wenn sie in den Weltraum hinausfliegt und unter die Einflüsse der Mondanziehungskraft gerät? Verstehen wir dieses Bild und können wir es auf unser Leben anwenden? Wir stehen unter dem Einfluss der Schwerkraft der Welt; wir stehen unter dem Einfluss der Dinge, die uns umgeben. Wir müssen unter dem Einfluss der ‚Sonne‘ bleiben, wie Gott es bedeutet. Wer wird uns helfen? Der Heilige Geist. Ich will damit nicht sagen, dass wir die Welt verabscheuen oder sie nicht ansehen sollen. Der himmlische Vater hat die Erde geschaffen. Die Welt stammt von Gott. Wir sollen die Dinge nutzen und uns an ihnen erfreuen, aber nicht zu ihren Sklaven werden“ (1959). [5]
Wir können uns vorstellen, dass Pater Kentenich, wäre er bei uns, weiterhin die weltweiten Ereignisse im Lichte des Glaubens deuten würde. Vielleicht würde er uns dasselbe sagen, was er den Ehepaaren in den Vereinigten Staaten sagte: „Wer ist also derjenige, der in der Kapsel die Welt überwindet – nicht nur die Erde, die ganze Welt? Sehen Sie, das sollten eigentlich wir alle sein. Das ist jedermann, da muss ich nicht Ordensmann, nicht Priester, nicht Schwester werden. Ja, wer ist es denn, der die Welt überwindet? Wer aus Gott geboren ist, das heißt, wer getauft ist, wer als Kind Gottes und als Glied Christi dasteht. Also müssen wir alle Weltenflieger werden.“[6]
Übersetzung: Sr. M. Lourdes Macías
Lektorat: Hildegard Kaiser
[1], [2], [3], [4], [6] Pater Josef Kentenich. Montagsabend – Gespräche mit Familien. Band 21 – Unser Leben im Lichte des Glaubens. Gesellschaft „Mutter und Königin“, Santa Maria, Brasilien.
[5] Pater Josef Kentenich. Mögen die Rosen für uns sprechen. Herausgegeben von Pionierpaaren der Schönstattbewegung in Milwaukee, USA.