Einige Aussagen der Liturgietexte zum Dreikönigsfest (Darstellung des Herrn) passen gut zu dem, was wir Marienbrüder am 4. Adventssonntag 2025, also kurz vor Weihnachten, in der Hauskapelle der Marienau in Schönstatt gefeiert haben.
Drei Marienbrüder – Roberto González (Paraguay), Germain Nsengiyumva (Burundi) und Ignacio Suazo (Chile) – unterschrieben gemeinsam in einer Feier drei unterschiedliche Vertragsweihen.
In mutigem Vertrauen haben sie einst zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten eine Reise begonnen, die sie nun gemeinsam fortführen möchten: so ähnlich wie man es sich bei den Sterndeutern vorstellt, dass sie aus unterschiedlichen Kulturräumen kamen und in ihren Ländern jeweils ihre Reise begonnen hatten, gemeinsam in Jerusalem ankamen und wussten, dass sie noch nicht am Ziel ihrer Reise angekommen waren.

„Deine Söhne kommen von fern“ (Jes 60,4)
Jesajas Prophezeiung trifft auch auf die drei zu, die jetzt mit ihren Unterschriften ihren Weg als Marienbrüder fortsetzen. Am Anfang brauchte es für jeden von ihnen eine mutige Entscheidung, die sie vor 3 bis 10 Jahren in Paraguay, Burundi und Chile getroffen haben. Und man verlangte von ihnen die Bereitschaft ab, sich auf den Weg zu machen, dem Stern zu folgen und in Bonn auf dem Kreuzberg Deutsch zu lernen. Seit einigen Jahrzehnten betreiben die Marienbrüder in Bonn ein Sprachinstitut, zu dem Studenten aus allen Herren Länder kommen, um in Intensivkursen die deutsche Sprache zu lernen. Da fielen die drei Marienbrüder gar nicht weiter auf.
„Dein Herz wird erbeben und sich weiten, der Reichtum der Nationen kommt zu dir“ (Jes 60,5)
Es war für uns Marienbrüder ein freudiges Fest. Unsere Herzen erbebten vor Freude und mit jedem jungen Gemeinschaftsmitglied, das bei uns hineinwächst, weiten sich auch die Herzen derer, die vorher schon da waren. Als Gemeinschaft profitieren wir vom Reichtum der Nationen, also von der internationalen Schönstatt-Bewegung. Es ist ein Reichtum, der zu uns als Gemeinschaft kommt, der zu uns nach Deutschland kommt, der gleichzeitig zur Gottesmutter und zu Christus kommt. Es ist der Reichtum der Nationen, den die deutsche Schönstatt-Bewegung auch deshalb braucht, weil sie auf Hilfe angewiesen ist. Aber nicht nur die Schönstatt-Bewegung: Man kann in Deutschland in jede Pfarrei schauen. Ohne Berufungen aus Lateinamerika, Afrika und Asien wäre das christliche Leben äußerst schwierig.

„Alle Könige werfen sich vor ihm nieder, es dienen ihm alle Völker“ (Ps 72,11)
Auch wenn der Gründer, Pater Josef Kentenich, über unsere Gemeinschaft sagte, dass sie einst so zahlreich sein würde wie die Sterne am Himmel, die aktuelle Realität sieht ganz anders aus. Wir sind das kleinste Schönstatt-Institut und oftmals schütteln uns Schönstätter besonders lange die Hand zur Begrüßung, weil es ja so selten vorkommt, dass man einen Marienbruder trifft. Um so bedeutender, wenn die Schönstatt-Bewegungen in Paraguay, Burundi und Chile Stellvertreter dieses Instituts in ihren Reihen haben. Die Sendung der Marienbrüder ist es, mit ihren beruflichen Fähigkeiten am Reich Gottes mitzubauen und ählich wie Maria, die Magd des Herrn, Christus zu dienen.
„Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Mt 2,10)
Diese drei jungen Männer aus den drei unterschiedlichen Ländern wollen dies nicht als Priester oder Ehepartner/Familienvater tun, auch nicht als Single, sondern haben sich begeistern lassen von der Sendung der Marienbrüder. Man könnte also aus ihrem subjektiven Blickwinkel sagen: In ihrem Herzen haben sie den Stern der Marienbrüdergemeinschaft aufgehen sehen und sind ihm gefolgt. Dieser Stern führt in den Arbeitsalltag unserer Berufe, zuweilen stressig, anstrengend und schön zugleich. Wir tun dies mit dem sinnstiftenden Stern, der zur Gottesmutter führt und Sie weist uns in allen Lebenslagen auf Christus hin.

„Du, Betlehem, bist keineswegs die unbedeutendste unter den Städten“ (Mt 2,6)
Selbstbewusst dürfen wir sagen: Du, Schönstatt, bist keineswegs die unbedeutendste unter den schönen Stätten. Ähnliches gilt für uns als Marienbrüdergemeinschaft. Klein vor Gott zu sein aktiviert das Umsorgtwerden von Gott. Mphcev! Diese lateinische Abkürzung schrieben Josef Engling und die ersten Sodalen im Krieg oft ans Ende ihrer Briefe. Sie bedeutet: „Die Gottesmutter wird perfekt sorgen und als Siegerin hervorgehen“ (Mater Perfectam Habebit Curam et Victoriam). So haben es auch die Marienbrüder oft erlebt und konnten unter anderem für die Josef-Engling-Strömung, für Mario Hiriart und Joao Luiz Pozzobon so wie durch die eigene Goldschmiede für die Symbolsprache Schönstatts wertvolle Beiträge leisten.
„Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter“ (Mt 11,11)
Pater Josef Kentenich baute viele Häuser, er gründete viele Gemeinschaften. Die Marienbrüder haben dabei eine ganz besondere „Bau-Geschichte“. Kurz nach der Tagung von Hörde (1919), als sich die Bewegung für alle Männer öffnete, versuchte er die Marienbrüder zu gründen, um eine Kerngemeinschaft zu haben, die für diese Männer da ist. Doch es gelang erst 23 Jahre später unter den Gefangenen des KZ Dachau. Und auch danach blieben die Herausfoderungen der Gründungsgeschichte groß.
Roberto González, Germain Nsengiyumva und Ignacio Suazo hatten den Mut ins Haus der Marienbrüder einzutreten, hatten die Neugierde die Gemeinschaft kennenzulernen und fühlten sich wohl in diesem Haus. Was fanden sie dort? Eine Menge gab es da zu entdecken, vor allem aber das Kind und Maria, dessen Mutter.

„Da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor“ (Mt 11,11)
Sein Leben der Gottesmutter zu weihen und sich damit ganz der Gottesmutter und dem Dreifaltigen Gott zur Verfügung zu stellen, ist keine kleine Sache. Im Detail ist es oft schwieriger als gedacht, dass nicht durch die Hintertür doch das „eigene Ich“ im Mittelpunkt des eigenen Lebens steht, sondern die Gottesmutter und mit ihr Gott. Das verlangt in konkreten Situationen des Alltags oft ein Sich-Klein-Machen, eine Demut vor dem Größeren, dem wir dienen. Wir tun dies mit unseren Talenten und erlernten Berufen. Aber zu unseren Schätzen, die wir hervorholen und dem Kind in der Krippe schenken, gehören genauso unsere Begrenztheiten und Fehler. So danken wir auch allen für die Gebete, mit denen Sie, liebe Leser, unsere jungen Mitglieder, die gerade ihre 1., 3. bzw. 4. Vertragsweihe geschlossen haben, begleiten.
