Einmal spazierte ein Junge mit seinem Großvater im frühen Frühling durch einen Garten. Der Junge betrachtete die noch kalte Erde und fragte:
— Opa, warum pflanzt du diese Samen, wenn alles so tot aussieht?
Der Großvater lächelte und antwortete:
— Auch wenn man nichts Besonderes sehen kann, verschwindet das Leben nie wirklich. Manchmal ist es nur verborgen.
Einige Tage später kehrte der Junge in den Garten zurück und sah die ersten grünen Triebe aus der dunklen Erde sprießen. Voller Staunen sagte er:
— Das sieht aus wie ein Wunder!
Der Großvater antwortete schlicht:
— Es ist das Wunder des Lebens, das immer wiederkehrt.
Ostern erinnert uns genau daran. Wenn am Kreuz alles vorbei zu sein scheint, lässt Gott neues Leben aus dem leeren Grab sprießen. Wo die Welt das Ende sieht, lässt Gott das größte aller Wunder entstehen. Wo Dunkelheit zu herrschen scheint, lässt Er das Licht erscheinen – und wir sind Spiegelbilder dieses Lichts für die Welt!
Christus ist auferstanden! Und mit Ihm wird auch unsere Hoffnung wiedergeboren.
Liebe Schönstattfamilie,
an diesem Osterfest richten wir unseren Blick auf eine Welt, die durch so viele Konflikte geschwächt und zersplittert ist. Die Kriege scheinen ganze Kontinente zu durchziehen, sind aber auch auf stille und persönliche Weise in den Herausforderungen des Alltags präsent.
In den Tagen des österlichen Triduums betrachten wir das Kreuz der Einheit in besonderer Weise. In ihm finden wir einen Schlüssel, um in dieser polarisierten Welt zu wandeln: wie Maria immer das Zentrum suchen, das Christus ist; und als Brüder und Schwestern tief miteinander verbunden zu bleiben und einander im Herzen zu tragen.
Die Auferstehung Jesu ist Gottes Antwort auf die Nächte der Geschichte und auf die Nächte des menschlichen Herzens.
Auch wir erleben in dieser Zeit unsere eigene Zerbrechlichkeit sehr deutlich. Angesichts der großen Herausforderungen der Welt fühlen wir uns oft klein oder unfähig, zu ihrer Umgestaltung beizutragen. Doch wenn wir auf die Geschichte Schönstatts blicken, erneuern wir unser Vertrauen. Wie unsere Vorfahren wollen auch wir heute die Früchte von Ostern verbreiten und die Freude und Hoffnung, die aus der Auferstehung entspringen, in die Welt hinausströmen lassen.
Im auferstandenen Christus wird die Gewissheit neu geboren, dass Gott die Geschichte weiterhin lenkt. Deshalb ist Ostern nicht nur ein liturgisches Fest, sondern auch eine Sendung. Wir sind aufgerufen, die Hoffnung, die aus dem leeren Grab entspringt, in die Welt zu tragen: in unseren Worten, in unseren Gesten und im konkreten Leben des Bundes. Mögen wir lebendige Zeichen dieser Hoffnung sein und mit unserem Leben bezeugen, dass das Licht Christi stärker ist als jede Finsternis.
Vereint im Heiligtum und im Liebesbündnis –
Frohe Ostern!