{"id":33132,"date":"2023-10-21T06:00:27","date_gmt":"2023-10-21T04:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/schoenstatt.com\/?p=33132"},"modified":"2025-05-15T19:33:28","modified_gmt":"2025-05-15T17:33:28","slug":"synodalitat-als-aufforderung-zu-einem-unvollstandigen-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schoenstatt.com\/de\/synodalitat-als-aufforderung-zu-einem-unvollstandigen-denken\/","title":{"rendered":"Synodalit\u00e4t als Aufforderung zu einem \u201eunvollst\u00e4ndigen Denken\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Stille erf\u00fcllte den Raum, w\u00e4hrend wir etwas gespannt warteten. Kardinal Mario Grech [1] musste in jedem Moment kommen. Er sollte in dieser Woche Gast beim Gemeinschaftsabend im <a href=\"http:\/\/www.laycentre.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eLay Center\u201c<\/a> &#8211; Laienzentrum sein, wo eine internationale, generations\u00fcbergreifende und interreligi\u00f6se Gruppe von etwa 20 Studenten der verschiedenen P\u00e4pstlichen Universit\u00e4ten in Rom lebt und diesen Moment ihres Lebens in der Ewigen Stadt gemeinsam erleben will. Es war das erste (und bisher einzige) Mal, dass er mit uns allen zusammen war, die hl. Messe zelebrierte und mit uns gemeinsam a\u00df.<\/p>\n<p>Schon als er den Raum betrat, beobachteten wir bei ihm eine gewisse Besonnenheit. Seine Anwesenheit war nicht zu \u00fcbersehen, denn er l\u00e4chelte so fr\u00f6hlich und verbreitete eine heitere Atmosph\u00e4re. Wir f\u00fchlten uns alle sofort wohl.<\/p>\n<h3>W\u00e4hrend der Heiligen Messe<\/h3>\n<p>Eine \u00dcberraschung gab es am Ende des Evangeliums, als die Predigt beginnen sollte. Wieder Stille, aber diesmal ohne Spannung. Er verharrte eine Weile in stiller Betrachtung, und wir folgten ihm in ziemlich organischer Art. Diese Stille wurde erst unterbrochen, als er schlie\u00dflich vorschlug: \u201eWarum versuchen wir nicht ein synodales Experiment? Ihr wisst doch, dass es dem Prediger von Zeit zu Zeit guttut, wenn ihm auch gepredigt wird&#8230;\u201c So lud er uns ein, etwas unserer Reaktionen auf das Wort Gottes, das wir gerade geh\u00f6rt hatten, kundzutun, \u201eund dann werde ich versuchen, am Ende einige Gedanken hinzuzuf\u00fcgen.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht \u00fcberraschenderweise &#8211; da wir diesen Schritt nicht erwartet hatten \u2013 schien es ganz nat\u00fcrlich zu sein. Prompt fing jemand an, gefolgt von einem anderen, und dann noch einer, bis die meisten von uns kurz gesprochen hatten. Die erste Lesung stammte aus der Apostelgeschichte \u00fcber die Anwesenheit von Paulus in Athen. Darauf lasen wir Psalm 148 \u201eHimmel und Erde sind voll deiner Herrlichkeit\u201c. Das Evangelium war von Johannes, in dem Jesus seinen J\u00fcngern sagt: \u201eNoch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr k\u00f6nnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<h3>Innere Unruhe<\/h3>\n<p>Ein Student meldete sich zu Wort und griff genau diese Zeilen auf. Er erz\u00e4hlte, wie viel Trost er durch Jesu Worte erhielt, da sie uns die Gegenwart des Heiligen Geistes zusicherten, der uns den Weg durch unsichere Zeiten weist. Als ich an der Reihe war, sagte ich, dass dieselben Zeilen in mir eine ganz andere Reaktion ausgel\u00f6st hatten. Sie hatten mich unruhig gemacht, weil mir klar wurde, wie viel ich \u201ejetzt nicht ertragen kann\u201c [2], wie viel ich nicht verstehe oder einfach nur bezweifle &#8211; und zwar sehr stark &#8211; und ich damit ringe. Ich gab zu, dass ich mir w\u00fcnschte, vielleicht die gleiche Art von Vertrauen zu haben wie derjenige, der vom Trost erz\u00e4hlte, den ihm diese Worte gaben. Aber in diesem Moment f\u00fchlte ich mich einfach <em>unruhig<\/em>.<\/p>\n<p>Mir kamen Worte von Papst Franziskus in den Sinn, mit denen ich schon seit einigen Monaten zu k\u00e4mpfen hatte, und ich zitierte sie. Er predigte zu Beginn seines Pontifikats vor der Jesuiten-Gemeinschaft in der Kirche von San Ges\u00f9, dass:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eein Jesuit zu sein [im Sinn von Christ-Sein] bedeutet, ein Mensch des unvollst\u00e4ndigen Denkens, des offenen Denkens zu sein, weil er immer mit Blick auf den Horizont denkt, der die immer gr\u00f6\u00dfere Herrlichkeit Gottes ist, der uns unaufh\u00f6rlich \u00fcberrascht. Und das ist die Unruhe unseres inneren Abgrunds\u201c. [3]<\/p><\/blockquote>\n<p>Das war die Quelle meiner inneren Unruhe: Ich f\u00fchlte mich unvollendet, weil es einfach so viel gab, was ich \u201enoch nicht ertragen konnte\u201c (Joh 16:12).<\/p>\n<p>Zu meiner \u00dcberraschung ging Kardinal Grech in seiner Schlussbetrachtung darauf ein, indem er versuchte, einige Parallelen zwischen unseren Reaktionen und dem Aufruf zur Synodalit\u00e4t herzustellen. Er wechselte vom Italienischen zum englischen Wort, das ich benutzt hatte, und fragte: \u201eRestlessness, no\u201c? Er sah mich an und betonte:<strong> \u201eWissen Sie, diese Unruhe ist eine Gabe, die wir mehr kultivieren sollten.\u201c<\/strong><\/p>\n<h3>Ein Geschenk? Dieser Gedanke \u00fcberraschte mich<\/h3>\n<p>Das hat meine Sichtweise auf meine Erfahrungen v\u00f6llig ver\u00e4ndert. Zuvor hatte ich mich dar\u00fcber ge\u00e4rgert, dass ich nicht den gleichen Trost empfand wie mein Freund, und war nun \u00fcberrascht von der Vorstellung, dass meine negative Reaktion (so wie ich sie zun\u00e4chst wahrgenommen hatte) in Wirklichkeit ein Geschenk sein k\u00f6nnte? Und ein Geschenk, das \u201ewir mehr kultivieren sollten\u201c?<\/p>\n<p>So ist es, versicherte uns Kardinal Grech, denn nur diese tief empfundene Unruhe kann uns f\u00fcr das Geschenk des Heiligen Geistes \u00f6ffnen, um seine \u00dcberraschungen zu empfangen und seine neuen Wege anzunehmen.<\/p>\n<p>\u201eJesus st\u00fcrzt uns in Krise\u201c, unterstreicht Papst Franziskus, \u201ewir sollten besorgt sein, wenn er uns nicht in Krise st\u00fcrzt, weil wir seine Botschaft verw\u00e4ssert haben k\u00f6nnten!\u201c [4] Deshalb bat er die Beamten der r\u00f6mischen Kurie am Ende seiner Weihnachtsansprache im Jahr 2020, dem Jahr, in dem die Pandemie die ganze Welt in eine tiefe Krise st\u00fcrzte, \u201ebitte, betet weiter f\u00fcr mich, damit ich den Mut habe, in Krise zu bleiben\u201c. [5]<\/p>\n<p>Hinter einem zu starken Gef\u00fchl der Sicherheit oder Gewissheit kann sich ein starres Herz verbergen, dessen Glaube in Wirklichkeit gel\u00e4hmt ist. In Anlehnung an die \u00fcblichen Worte von Papst Franziskus forderte Kardinal Grech, dass wir uns vor jenen \u201eperfekten Christen\u201c h\u00fcten sollten, die meinen, auf alles eine Antwort zu haben.<\/p>\n<p>Wenn jemand auf alle Fragen eine Antwort hat, ist das der Beweis, dass Gott nicht mit ihm ist. Es bedeutet, dass er ein falscher Prophet ist, der die Religion f\u00fcr sich selbst benutzt. Die gro\u00dfen F\u00fchrer des Volkes Gottes, wie Mose, haben immer Raum f\u00fcr Zweifel gelassen. Wir m\u00fcssen Raum f\u00fcr den Herrn lassen, nicht f\u00fcr unsere Gewissheiten; wir m\u00fcssen dem\u00fctig sein. Ungewissheit geh\u00f6rt zu jeder wahren Unterscheidung, die offen daf\u00fcr ist, Best\u00e4tigung im geistlichen Trost zu finden. [6]<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-33124 \" src=\"https:\/\/schoenstatt.com\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/juventud-jungen-youth.jpg\" alt=\"\" width=\"1003\" height=\"668\" \/><\/p>\n<h3>Kirchliche Unruhe<\/h3>\n<p>In seiner abschlie\u00dfenden Reflexion in der \u201ePredigt\u201c im Laienzentrum hob Kardinal Grech dann hervor, dass der Aufruf, diese Unruhe zu pflegen, nicht nur jeder von uns pers\u00f6nlich annehmen sollte, sondern dass auch die Kirche als Ganzes lernen muss, diese Unruhe gemeinsam mehr zu f\u00f6rdern, auch aus institutioneller Sicht.<\/p>\n<p>Das ist tats\u00e4chlich der Kern der Aufforderung von Papst Franziskus zur synodalen Umkehr: eine Kirche, die der Versuchung des Triumphalismus widersteht, dem wir im Lauf der Geschichte oft verfallen sind, und die ehrlich anerkennt, dass wir einfach nicht auf alles eine Antwort haben [7]; dass einige der Antworten, die wir in der Vergangenheit gegeben haben, sehr falsch waren und daher ernsthafte Reue erfordern [8]; und &#8211; was jetzt vielleicht am wichtigsten ist &#8211; eine Kirche, die sich bewusst der Realit\u00e4t \u00f6ffnet, dass einige der Antworten, die wir jetzt geben, zumindest nicht die besten sind &#8211; wenn nicht sogar zutiefst sch\u00e4dlich [9]. Letzten Endes ist der Aufruf zur synodalen Umkehr der Aufruf zu einer Kirche, die sich immer mehr bewusst wird, dass es so viel gibt, was wir noch lernen m\u00fcssen, dass es \u201eso viel gibt, was wir noch nicht ertragen k\u00f6nnen\u201c (Joh 16,12) &#8211; und dass die Unruhe, die aus einem solch unvollst\u00e4ndigen Denken kommt, die einzige Haltung ist, die uns auf den Weg zur \u201eganzen Wahrheit\u201c bringen kann, offen f\u00fcr die F\u00fchrung und die \u00dcberraschungen des \u201eGeistes der Wahrheit\u201c auf dem Weg der Geschichte.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt auch die Bereitschaft, wirklich von anderen zu lernen &#8211; was ernsthaftes Zuh\u00f6ren, Dialog und Demut erfordert.<\/p>\n<h2>&#8222;Das Bed\u00fcrfnis loslassen, immer Recht zu haben&#8220;<\/h2>\n<p>Dies erfordert ein \u201eLoslassen des Bed\u00fcrfnisses, immer Recht zu haben\u201c &#8211; und, noch einmal, sowohl pers\u00f6nlich als auch als Kirche &#8211; eine Erkenntnis, die mir w\u00e4hrend eines tiefen Gespr\u00e4chs \u00fcber die Bedeutung der Synodalit\u00e4t mit Harriet, einer guten Bekannten, die ich hier in Rom habe, klar wurde. Sie erz\u00e4hlte mir, wie sie herausfand, was der synodale Ruf f\u00fcr sie pers\u00f6nlich in ihrem t\u00e4glichen Leben bedeutet.<\/p>\n<p>Sie erw\u00e4hnte zum Beispiel, wie sie anfangs in unserem neuen Job im vatikanischen Dikasterium zur F\u00f6rderung der integralen menschlichen Entwicklung, wenn jemand sie nach ihrer Meinung zu etwas fragte, aus Angst, falsch zu liegen, eine m\u00f6glichst diplomatische Antwort gab, indem sie die verschiedenen Alternativen abwog, um sich nicht zu kompromittieren. Aber erst als sie sich von dem Zwang, im Recht zu sein, befreite und sich erlaubte, ihre ehrliche Meinung zu \u00e4u\u00dfern, wurde sie bei den anstehenden gemeinsamen Aufgaben am n\u00fctzlichsten und am meisten gesch\u00e4tzt. So konnte sie ihre Kreativit\u00e4t einsetzen, und auch wenn dieser Ansatz manchmal dazu f\u00fchrte, dass sie als Einzelne einen falschen Weg einschlug, den sie sp\u00e4ter wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen musste, so konnte sie doch nur durch das Eingehen auf diese Schwachstelle dem gesamten Team helfen, am Ende des Tages den besten Weg zu finden.<\/p>\n<h2>Meine Erfahrungen auf dem Pfingstkongress in Sch\u00f6nstatt<\/h2>\n<p>Der Besuch von Kardinal Grech im Laienzentrum war f\u00fcr mich auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil er mir gleich nach dem Abendessen best\u00e4tigte, dass ich an der Arbeit des Synodensekretariats teilnehmen kann. Mein Gespr\u00e4ch mit ihm und Schwester Nathalie Becquart hatte fast eine Woche vor diesem Besuch stattgefunden. Die Wochen unmittelbar nach diesem Besuch waren ebenfalls denkw\u00fcrdig, denn ich reiste zuerst in die Vereinigten Staaten zu meiner Aufnahmefeier in Harvard und dann nach Deutschland, um am <a href=\"https:\/\/schoenstatt.com\/pt-pt\/events-en\/pentecostes-uma-familia-em-dialogo\/\">Pfingstkongress<\/a> in Sch\u00f6nstatt teilzunehmen. Beides waren zutiefst synodale Erfahrungen, die in mir &#8211; wenn ich jetzt darauf zur\u00fcckblicke &#8211; eine innere Freiheit erneuerten, um die ich in den vorausgegangenen Monaten so lange gerungen hatte.<\/p>\n<p>Woher kam diese innere Freiheit? Ich erinnere mich, dass ich den Pfingstkongress mit tiefer Dankbarkeit f\u00fcr das Geschenk verlie\u00df, als Werkzeug f\u00fcr etwas Wichtiges benutzt worden zu sein, das mir in der Tat sehr am Herzen lag und das gr\u00f6\u00dfer war als ich selbst. Ich erinnere mich, dass ich danach mit Pater Alexandre Awi Mello, ISch, sprach und ihm diesen Schl\u00fcsselsatz von Papst Franziskus in Evangelii Gaudium, mitteilte, der mir kam, als ich \u00fcber den Kongress nachdachte: \u201eDas Ganze ist gr\u00f6\u00dfer als die Summe seiner Teile.\u201c [10]<\/p>\n<p>Zu der Gruppe zu geh\u00f6ren, die den <a href=\"https:\/\/schoenstatt.com\/de\/spiritualitat\/schlussdokument-des-internationalen-pfingstkongresses-liegt-jetzt-in-offiziellen-uebersetzungen-vor\/\">Abschlussbrief<\/a> des Pfingstkongresses 2022 an die ganze Sch\u00f6nstattfamilie mitverfasst hat, war sicherlich ein Geschenk, aber manchmal auch sehr m\u00fchsam. Die schlaflosen N\u00e4chte waren kein Problem, wenn man bedenkt, dass ich in die endg\u00fcltige Synthese Einsichten aus der ganzen Gruppe einarbeiten musste, mit denen ich pers\u00f6nlich in einigen F\u00e4llen gar nicht mehr einverstanden war. Aber diese Spannung wies genau darauf hin, wo auch die Freiheit zu finden war: Im Abschlussbrief ging es nicht um mich, sondern um die Sch\u00f6nstattfamilie. Wenn ich ihn pers\u00f6nlich schreiben w\u00fcrde, w\u00fcrde er gewiss ganz anders aussehen als der, den wir jetzt haben, aber er w\u00fcrde auch seinen Wert, sein Wesen und seinen Charakter verlieren.<\/p>\n<p>Der Brief sollte nicht zum Ausdruck bringen, wo ich pers\u00f6nlich zu den Herausforderungen stehe, mit denen die Sch\u00f6nstattfamilie zu diesem Zeitpunkt konfrontiert ist, sondern wo die Sch\u00f6nstattfamilie als Ganzes steht. Die Sch\u00f6nstattfamilie hat sich durch ihre Vertreter zu Wort gemeldet und Stellung bezogen, wo sie jetzt steht, und als jemand, der zu dieser Familie geh\u00f6rt, unterschrieb ich auch gerne den Abschlussbrief und bezeugte den klaren Konsens, den wir unter der F\u00fchrung des Heiligen Geistes erzielten. Insgesamt bin ich pers\u00f6nlich davon \u00fcberzeugt, dass Synodalit\u00e4t bei der Konsolidierung einer Kirche des und eher des oder der Ruf des Heiligen Geistes &#8211; durch Papst Franziskus &#8211; f\u00fcr uns ist, um heute ganz praktisch und mit der ganzen Kirche unser Sch\u00f6nstatt-Charisma einer \u201eorganischen Art zu denken, zu leben und zu lieben\u201c zu konkretisieren. [11]<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-25604 \" src=\"https:\/\/schoenstatt.com\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/20220611_T02632_PentecostCongress_Reflektionsteam_FotoBrehm-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"1042\" height=\"698\" \/><\/p>\n<h2>Der Pfingstkongress und das Kontinentaldokument der Synode<\/h2>\n<p>Besonders dankbar bin ich daf\u00fcr, dass mich der Pfingstkongress als eine tiefgreifende Erfahrung der Synodalit\u00e4t innerhalb Sch\u00f6nstatts auf eine \u00e4hnliche Erfahrung der Synthese von Unterscheidungsverm\u00f6gen vorbereitet hat. Ich hatte das Gl\u00fcck, an zweiw\u00f6chigen Exerzitien in Frascati teilzunehmen, in denen eine vom Sekretariat der Synode ausgew\u00e4hlte Gruppe von Theologen und Seelsorgern alle Berichte der ersten Konsultationsphase des aktuellen universalen synodalen Weges durchgearbeitet hat, um zu einer ersten universalen Synodensynthese zu kommen [12]. Das Endergebnis war das Dokument \u201eVergr\u00f6\u00dfere den Raum deines Zeltes\u201c (Jes 54,2), ein Arbeitsdokument f\u00fcr die kontinentale Phase der Synode, in dem die Stimmen des gesamten Volkes Gottes aus der ganzen Welt, die w\u00e4hrend der ersten Phase der Synode konsultiert wurden, festgehalten sind. [13]<\/p>\n<p>\u00dcber ein solches historisches Dokument, das Quellenmaterial und die Methodik, die ihm zugrunde liegt, l\u00e4sst sich viel sagen [14]. Nachdem ich die meisten Berichte gelesen habe, die im Sekretariat der Synode eingegangen sind, muss ich zumindest erw\u00e4hnen, wie ber\u00fchrt &#8211; und ver\u00e4ndert &#8211; ich von der Art und Weise war, wie Menschen aus buchst\u00e4blich allen Lebensbereichen bereit waren, wirklich ihre Herzen mit ihren tiefsten Freuden und Sorgen zu \u00f6ffnen, um die synodale Umkehr zu verwirklichen, zu der Papst Franziskus die ganze Kirche aufruft. Dar\u00fcber hinaus bin ich beeindruckt von der Art und Weise, wie das Bild des Zeltes &#8211; Ergebnis denkw\u00fcrdiger pers\u00f6nlicher Gespr\u00e4che bis sp\u00e4t in die Nacht unter uns in Frascati &#8211; die Dynamik des \u201eunvollst\u00e4ndigen Denkens\u201c einf\u00e4ngt, das die Synodalit\u00e4t erfordert: das Zelt, \u201edas das Volk auf seiner Reise durch die W\u00fcste begleitete\u201c, ist \u201edazu aufgerufen, sich auszubreiten, aber auch zu bewegen\u201c, und seine Struktur mit ihren T\u00fcchern, Seilen und Pfl\u00f6cken \u201emuss die verschiedenen Kr\u00e4fte und Spannungen, denen es ausgesetzt ist, im Gleichgewicht halten: eine Metapher, die die Notwendigkeit der Unterscheidung zum Ausdruck bringt\u201c.<\/p>\n<p>Um das Zelt zu vergr\u00f6\u00dfern, m\u00fcssen andere darin willkommen gehei\u00dfen und Raum f\u00fcr ihre Vielfalt geschaffen werden. Dazu geh\u00f6rt also die Bereitschaft, sich selbst aus Liebe zu sterben (verlieren), um sich selbst in und durch die Beziehung zu Christus und dem N\u00e4chsten wiederzufinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[1] Cardinal Mario Grech, from Malta, is the current Secretary General of the Synod<\/p>\n<p>[2] Jn 16:12<\/p>\n<p>[3] Pope Francis, <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/en\/homilies\/2014\/documents\/papa-francesco_20140103_omelia-santissimo-nome-gesu.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Homily, Holy Mass on the Liturgical Memorial of the Most Holy Name of Jesus<\/a>, Church of the Ges\u00f9, Rome, Friday, 3 January 2014,<\/p>\n<p>[4] Pope Francis, <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/en\/angelus\/2021\/documents\/papa-francesco_angelus_20210822.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angelus, St. Peter\u2019s Square, Sunday, 22 August 2021<\/a><\/p>\n<p>[5] Pope Francis, <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/en\/speeches\/2020\/december\/documents\/papa-francesco_20201221_curia-romana.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Christmas Address to the Roman Curia<\/a>, Benediction Hall, Monday, 21 December 2020,<\/p>\n<p>[6] Antonio Spadaro SJ, <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/pt\/speeches\/2013\/september\/documents\/papa-francesco_20130921_intervista-spadaro.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201cInterview with Pope Francis\u201d, L\u2019Osservatore Romano,<\/a> 21 September 2013<\/p>\n<p>[7] On how an incomplete thinking with a dialogical mentality \u201cis the opposite of triumphalist thinking\u201d, see Diego Fares SJ, \u201cNotes for an \u2018Incomplete Thought\u2019\u201d, La Civilt\u00e0 Cattolica, 4 Febf6.<\/p>\n<p>[8] See, e.g., Christopher Kellerman SJ, <a href=\"https:\/\/www.americamagazine.org\/faith\/2023\/02\/15\/catholic-church-slavery-244703\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201cSlavery and the Catholic Church: It\u2019s time to correct the historical record\u201d<\/a>, America, 15 February 2023<\/p>\n<p>[9] See, e.g., Massimo Faggioli, \u201c<a href=\"https:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/10.1177\/0040563919856610\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Catholic Sexual Abuse Crisis as a Theological Crisis: Emerging Issues<\/a>\u201d, Theological Studies (Baltimore, 2019) 80 (3): 572\u201389,<\/p>\n<p>[10] Pope Francis. <a href=\"https:\/\/www.vatican.va\/content\/francesco\/en\/apost_exhortations\/documents\/papa-francesco_esortazione-ap_20131124_evangelii-gaudium.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Evangelii Gaudium<\/a> Apostolic Exhortation of the Holy Father Francis on the Proclamation of the Gospel in Today\u2019s World, 24 November 2013,<\/p>\n<p>[11] See Elise Ann Allen, \u201c<a href=\"https:\/\/cruxnow.com\/vatican\/2022\/10\/synod-organizers-sell-process-as-cementing-catholicism-as-church-of-both-and\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Synod organizers sell process as cementing Catholicism as church of \u2018both\/and<\/a>\u2019\u201d, Crux, 28 October 2022<\/p>\n<p>[12] For a great inside account of what happened during these two weeks in Frascati, see Austen Ivereigh, <a href=\"https:\/\/www.americamagazine.org\/faith\/2022\/10\/27\/frascati-document-synod-synodality-244031\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201cI helped write the first global synod document. Here\u2019s what we heard from Catholics around the world.\u201d<\/a> America, 27 October 2022,<\/p>\n<p>[13] See General Secretariat of the Synod, \u201c<a href=\"https:\/\/www.synod.va\/content\/dam\/synod\/common\/phases\/continental-stage\/dcs\/20221025-POR-DTC-FINAL-OK.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Enlarge the Space of Your Tent<\/a>\u201d (Is 54:2) Working Document for the Continental Stage, Rome, October 2022,<\/p>\n<p>[14] For a great account of this document, see Giacomo Costa SJ, <a href=\"https:\/\/schoenstatt.com\/original-shrine\/celebrations-for-the-109th-anniversary-of-the-founding-of-the-schoenstatt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201c\u2018For A Synodal Church\u2019: The Working Document for the Continental Stage\u201d,<\/a> La Civilt\u00e0 Cattolica, 16 November 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt zum synodalen Geist, den Mut zu haben, \u201enicht immer Recht zu haben\u201c und andere Standpunkte zu akzeptieren. Das ist der Gedanke von Pedro Paulo Weizenmann in seinem Artikel. Der junge Brasilianer und Sch\u00f6nst\u00e4tter arbeitet derzeit im Sekretariat der Bischofssynode. Der Text ist eine Zusammenfassung des Originalartikels, der f\u00fcr die Fachzeitschrift Regnum verfasst wurde. Die Generalversammlung der Synode findet vom 4. bis 29. Oktober 2023 statt, begleiten wir sie also mit unserem Gebet.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":33119,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[910,851],"tags":[],"class_list":["post-33132","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft-de","category-kirche-de"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.4 (Yoast SEO v27.4) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Synodalit\u00e4t als Aufforderung zu einem \u201eunvollst\u00e4ndigen Denken\u201c<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Den Mut haben, \u201enicht immer Recht zu haben\u201c und andere Standpunkte zu akzeptieren, ist Teil des synodalen Geistes\" \/>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link 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